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Das vergessene „Sonderbauwerk“ der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalen PDF Drucken E-Mail
Freitag, 20. November 2009

Wie die kardanisch gefederte Finanzversorgung im Ernstfall funktionieren sollte

Die Unterwelt von Steinfurt in der Eifel. Den Ort gibt es nicht, den geheimen Bunker immer noch – oder gerade mal. Denn der Ausweichsitz der Landeszentralbank war bisher ein unbeschriebenes Blatt und weitestgehend unbekannt.

Es ist genau vierzig Jahre her, seit sich in einem beschaulichen Örtchen der Nordeifel dreißig Personen zu einem Experiment der besonderen Art zusammenfanden. Der Grund dieses Treffens war die Fertigstellung einer unterirdischen Bunkeranlage, die von den Bauherren und Auftraggebern während ihrer Bauzeit mit einer Vielzahl von verschleiernden Tarnbezeichnungen belegt wurde, um öffentliche Aufmerksamkeit zu verhindern.Die Teilnehmer des Experimentes begaben sich für viereinhalb Tage unter die Erde und nahmen an einer Funktionsprüfung teil, die den Namen "Bunkerbelegungsversuch im Sonderbauwerk Steinfurt" erhalten hatte. Nur gibt es in der Eifel keine Stadt, kein Dorf und keine Gemarkung dieses Namens.

Oben schicke Schule, unten geheimer Bunker. Das Tandem aus Lehrkörper und Schutzbau ist nicht neu. Doch selten wurde so konkret recherchiert, wie es im Kriegsfall ineinander greifen sollte. Selbst die Räume der 1., 2. und 3. Klasse waren über Jahrzehnte technisch immer auf den Ernstfall vorbereitet – heimlich und unsichtbar.

In Wirklichkeit befindet sich das so genannte Sonderbauwerk an den östlichen Ausläufern der Nordeifel im beschaulichen Eifeldorf Satzvey. Es wurde als 2-geschossige Tiefbunkeranlage mit über 100 Schutzplätzen, mit mehr als 70 Wohn-, Arbeits- und Technikräumen sowie einem Tresorraum im Zuge eines Schulneubaus in bis zu 9 Metern Tiefe unter dem Schulhof eingegraben.

Was hier im Winter 1969 fertig gestellt wurde und in einem Belegungsversuch einer Generalprobe unterzogen wurde, diente bis zu seiner Außerdienststellung, Mitte der 90er Jahre, als verbunkerter Ausweichsitz für Krisen- und Kriegsfälle des Führungsstabes der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalens mit Friedenssitz in Düsseldorf.

Anhand alter Fernmeldebeziehungen des verbunkerten Ausweichsitzes der Landesregierung Nordrhein-Westfalens im benachbarten Urft, konnte diese Bunkeranlage ausfindig gemacht werden und für kurze Zeit aus Ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden, bevor die Anlage wieder versiegelt wurde. Wichtige Baupläne und Aktenbestände wurden dabei ausgewertet und konnten vor einem fortschreitenden Schimmelbefall bewahrt werden und den öffentlichen Archiven übergeben werden.

Notstandsplanungen in der Nordeifel und die Notwendigkeit einer Ersatzwährung

Im ehemaligen Ausweichsitz der Landesregierung Nordrhein-Westfalen verraten Unterlagen, dass es in der Nachbarschaft einen weiteren Bunker gegeben hat – den der Landeszentralbank in Satzvey, der erstmals systematisch im September 2009 erschlossen wird.

Bereits Ende der 50er Jahre, den zweiten Weltkrieg kaum verwunden und bereits die Gefahren eines neuen Krieges stets vor Augen, gab das Bundesinnenministerium Richtlinien für die Auswahl von behördlichen Ausweichquartieren heraus. Als Hauptgesichtspunkte für die Ortswahl wurden unter anderem gute Nachrichten- und Verkehrsverbindungen, eine Lage abseits von kriegswichtigen Objekten sowie gute Tarnungs- und ausreichende Unterkunftsmöglichkeiten genannt. Einige dieser Kriterien dürften sicherlich ausschlaggebend bei der Standortwahl des Ausweichsitzes der Landeszentralbank unter einem Schulgebäude im nordeifeler Ort Satzvey gewesen sein.

Dass die Nordeifel anscheinend den Kriterien des Bundesinnenministeriums für Ausweichsitze seinerzeit bestens entsprach, zeigt die auffällige Häufung von verbunkerten Befehlsstellen der verschiedensten Regierungsorgane. So befanden sich die verbunkerten  Ausweichsitze der Landesregierung Nordrhein-Westfalens (Urft), der Bezirksregierung Kölns (Simmerath) sowie der Ausweichsitz der Bundesregierung (Ahrweiler) und die dazugehörige abgesetzte Sendestelle (Kirspenich) teilweise in nur wenigen Kilometern Entfernung zum Landeszentralbank-Schutzbau in Satzvey.

Die Notwendigkeit der Errichtung eines verbunkerten Ausweichsitzes dürfte bei der Landeszentralbank hauptsächlich in Ihrer Funktion als Sicherstellungsbehörde zu finden sein. In den Wirtschaftssicherstellungsgesetzen, die sich bereits Ende der 50er Jahre in der Wehrverfassung manifestierten und später in die Notstandsgesetze übergingen, wurde die Sicherstellung der Versorgung mit Leistungen auf dem Gebiet des Geld- und Kapitalverkehrs gesetzlich verankert. So waren die Sicherstellungsbehörden bereits in Friedenszeiten verpflichtet, "alle innerbehördlichen Vorbereitungen personeller, materieller und organisatorischer Art zu treffen, um die Anwendung der Gesetze im Bedarfsfall zu gewährleisten."

Vorbild Bundesbank. Die baute ihren Ausweichsitz ab 1962 in Cochem und zapfte dafür eine Moselhanglage an (im Bild der Zugangsstollen). Hier lagerte permanent die Notstandswährung – im Gegensatz zum Bunker in Satzvey, der stets leer war und erst im Ernstfall befüllt worden wäre.

Als ausführende Einrichtungen für die Sicherstellung des Geld- und Kapitalverkehrs waren hierfür die Bundesbank, die Landeszentralbanken sowie ihre Außenstellen vorgesehen. So wundert es nicht, dass die Deutsche Bundesbank bereits 1962 damit begann, ihren Ausweichsitz als Stollenanlage in die Moselhänge oberhalb von Cochem zu treiben und die Landeszentralbank Rheinland-Pfalz bereits 1963 die Fertigstellung ihres verbunkerten Ausweichsitzes im Hunsrück vermeldete. Auch einige der Zweigstellen der Landeszentralbanken erhielten in ihren Kellern Hausschutzräume. Dies geschah beispielsweise in Nordrhein-Westfalen in den Zweigstellen in Euskirchen, Arnsberg und Bocholt.

Die Bundes- und Landeszentralbanken hielten zur Erfüllung Ihrer Sicherstellungsfunktion bei einer schweren Störung des Geldkreislaufes eine Ersatzserie mit völlig neu gestalteten Reservebanknoten vor. Schwere Störungen des Geldkreislaufes konnten neben einer nicht zu stoppenden größeren Inflation oder dem Umlauf einer größeren Menge an Falschgeld auch kriegerische Auseinandersetzungen auf dem Territorium der Bundesrepublik sein, die einen Austausch der bestehenden Währung notwendig machten um einen völligen Zusammenbruch der Wirtschaft und damit auch der Verteidigungskraft zu vermeiden.

Über das ehemalige Notgeld in Deutschland ist bis heute nur relativ wenig bekannt. Gesicherte Erkenntnisse liegen heute darüber vor, dass es für die größeren und kleineren Nominalen getrennte Serien gab. Unter der Bezeichnung „BBk II“, beziehungsweise „Bittrof-Serie“, hielt die Deutsche Bundesbank eine Ersatzserie mit den Nennwerten 10, 20, 50 und 100 D-Mark für Notfälle bereit. Es ist davon auszugehen, dass der Großteil der BBk II-Serie in der verbunkerten Stollenanlage der Bundesbank in Cochem lagerte. Zusätzlich zu der BBk II-Serie gab es noch eine Notenreihe für kleinere Nennwerte von 5,10 und 50 Pfennig sowie 1 und 2 DM. Diese Serie ist unter der Bezeichnung „Bundeskassenscheine“ bekannt geworden. In Fachkreisen wird angenommen, dass die Bundeskassenscheine ebenso wie die BBk II-Serie bei kriegsbedingten Versorgungsengpässen und einem zusätzlichen Mangel an Münzmetall zur Ausgabe gekommen wären.

Nach heutigen Erkenntnissen kann davon ausgegangen werden, dass die Bundeskassenscheine zu großen Teilen durch die Landeszentralbanken in den Umlauf gebracht worden wären und dementsprechend in den Bunkern und Tresoren der Landeszentralbankzweigstellen eingelagert waren. Dies deckt sich auch mit Aussagen verschiedener Zeitzeugen, die von seinerzeit größeren Beständen einer Ersatzwährung in den Tresoren der Landeszentralbanken sprechen. Neben einer Fortführung der geschäftlichen Tätigkeiten und der organisatorischen Lenkung der Geldströme war eine Einlagerung von Bundeskassenscheinen in der Tresoranlage des Ausweichsitzes der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalens in Satzvey daher vermutlich Bestandteil der Vorsorgeplanungen für einen Ernstfall.

Baugeschichte und Baugeschichten

Zum Jahresende 1966 wurden die Bauunterlagen für die „Mittelpunktschule Satzvey“ erstellt, die auch noch im Herbst 2009 im Bunker lagen (und inzwischen katalogisiert und archiviert in Frankfurt/Main eingelagert sind).

Im November 1966 erhielt die Firma Hochtief von der Gemeinde Satzvey-Firmenich die Auftragserteilung für das „Bauvorhaben Mittelpunktschule Satzvey, Los II, Schutzbau“. Die Errichtung des Schulgebäudes und der Bunkeranlage wurde in zwei voneinander getrennten Baulosen ausgeschrieben. Dass es sich bei Baulos II  um ein nicht ganz alltägliches Bauprojekt handeln würde, dürfte den an der Ausschreibung beteiligten Unternehmen bereits beim Lesen der „Besonderen Vertragsbedingungen“ klar geworden sein. So hatten alle am Sonderbauwerk beteiligte Baufirmen ausschließlich Führungspersonal einzusetzen, welches zum Umgang mit Verschlusssachen ermächtigt war. Für die Auftragnehmer und sämtliche Mitarbeiter galt auf der Baustelle ein striktes Fotografierverbot.

Im Leistungsverzeichnis zur Beschreibung des Bauvorhabens „Mittelpunktschule Satzvey, Los II“, wird das Bauwerk folgendermaßen beschrieben: „Bei der im Bau befindlichen Mittelpunktschule Satzvey ist in befristeter Bauzeit ein Schutzraumbauwerk als bewehrter Kubus aus Massebeton zu errichten. Der Hauptbaukörper schließt einen Raum von rd. 32 x 30 x 8m ein. Die Umfassungen des Bauwerks werden 0,80 bis 1,00m dick ausgebildet. Das Bauwerk erhält eine starke und dicht liegende Bewehrung. Die betriebliche Nutzung bedarf zahlreicher Versorgungs-, Klima- und Lüftungseinrichtungen.“

Leerer Schwingungsdämpfer (im Ausweichsitz Satzvey). Nach Aussagen von Übungsteilnehmern war das gesamte Bauwerk kardanisch schwingend gelagert, konnte also im Falle einer Schockwelle flexibel reagieren.

Laut Aussagen am Bau und an Übungen beteiligter Zeitzeugen war das gesamte Bunkerbauwerk zum Schutz vor Detonationsdruckwellen und Erdverschiebungen zusätzlich kardanisch schwimmend gelagert, sodass ein gewisser Versatz des Bauwerkes ohne größere Beschädigungen ausgeglichen werden konnte. Doch nicht nur an den Baukörper selbst, auch an seine Inneneinrichtung hatte man gedacht und dort zusätzlich einen Schutz gegen die Belastungen kriegerischer Einwirkungen erstellt. In Vertragspunkt „1.7. Besondere Vorbemerkungen“ findet sich für die Innenausstattung folgende Ausführungsanforderung: Sämtliche Befestigungen an Decken, Böden und Wänden des Bauwerkes für die Aufhängung der Rohrleitungen, Luftkanäle sowie Aufstellung der Maschinen und Aggregate sind, unter Verwendung von Schwingungsdämpfern, so auszuführen, dass bei Biegeschwingungen der tragenden Bauteile von 25 HZ und einer Amplitude von +- 5mm Beschädigungen nich eintreten können."

Noch im Winter 1966, vor Einbruch der Frostperiode, wurde durch die Firma Hochtief die Bodenplatte betoniert. Erst nach einer Winterpause wurden die Bauarbeiten im Frühjahr 1967 wieder aufgenommen und bis zum Jahresende zügig fortgeführt.

Aktenvermerk eines deutschen Bunkerbauschwergewichtes: Ein Teil der Anlage Satzvey wurde von dem Architekturbüro (Dr. Walter, Essen) abgenommen, das auch den Regierungsbunker an der Ahr baute.

Wie ein eher unauffälliger Aktenvermerk belegt, war bei der Bauplanung des Ausweichsitzes der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalens auch ein echtes Schwergewicht deutscher Bunkerbau-Elite involviert. Die am 16.11.1967 durchgeführte Abnahme einer fertig gestellten Decke des Bunkers wurde laut einer im Bauwerk zurückgelassenen Akte durch niemand geringeren als die Firma „Ingenieurberatung Dr. Ing. Walter“ durchgeführt, die bereits unter dem anonymisierten Firmennamen „Deutsche Societät Beratender Ingenieure“ maßgeblich an der Planung und Baudurchführung eines Milliardenprojektes, dem Regierungsbunker an der Ahr beteiligt war.    

Am 18. Dezember 1967 vermeldete die Firma Hochtief die Fertigstellung der Rohbauarbeiten. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden bereits ca. 4.150 m³ Beton und 630 t Bewehrungsstahl verbaut. Die Gesamtkosten für die Rohbauerstellung betrugen 1.625.000 DM.

Anlässlich eines kleinen nachträglichen Richtfestes trafen sich am Morgen des 25. Januar 1968 die am Bau beteiligten Architekten und Ingenieure sowie Vertreter der Gemeinde und der Landeszentralbank zu einer Besichtigung des zukünftigen Ausweichsitzes. Zu diesem Zeitpunkt war der Bunker bereits von einer Erdschicht überdeckt und lediglich aufstehende versorgungstechnische Bauteile der Zu- und Abluftkanäle waren noch sichtbar. Um keine größere Aufmerksamkeit im Ort zu erwecken wurden die anschließenden Feierlichkeiten im 15 Kilometer entfernten Bad Münstereifel ein einem Gasthaus fortgeführt.

Im Frühjahr 1968 beginnt der Innenausbau des Bunkers.

Unmittelbar nach Fertigstellung des Rohbaus begannen im Frühjahr 1968 die Ausschreibungen für die Innenausbauarbeiten. Vor allem lokale und regionale Bau- und Handwerksbetriebe sollten in den kommenden zwei Jahren auf der Bunkerbaustelle in Satzvey eine Beschäftigung finden. Der Innenausbau wurde für die ausführenden Unternehmen dahingehend erschwert, dass alle größeren Einbauteile aufgrund der relativ kleinen und mehrfach verwinkelten Schleusenzugänge in Einzelteilen in das Bauwerk eingebracht werden mussten. Größere Anlagen, wie Notstromaggregate, Klimageräte, Kältemaschinen, Ventilatoren, Wasseraufbereitungsanlagen, Filteranlagen, Schaltschränke, Lüftungskanäle, Schalldämpfer, fernmeldetechnische Anlagen und sonstige sperrige Bauteile konnten erst im Bauwerk selbst betriebsfertig zusammengesetzt werden.

Tresortür der Firma Pohlschröder (links): Das Schwergewicht wurde bereits im Rohbau versenkt und war damit die erste Tür in diesem Bunkerflur (auf der untersten Ebene).

Die tonnenschwere Tresortüre der Firma Pohlschröder sowie die Schleusendrucktüren- und klappen der Firma Bochumer Eisenhütte Heintzmann wurden hingegen bereits mit der Rohbauerstellung in das Bauwerk eingebracht. Die Drucktüren der Schleusen und Notausstiegsklappen wurden im geschlossenen Zustand in die Schalung einbetoniert.

Die Tresortüre wurde vermutlich größtenteils durch den Hersteller Pohlschröder selbst eingebaut und justiert. Zur Einbringung der 10-12t schweren Tresortüre wurde von der Firma Hochtief Hilfeleistung gewährt. In einem Nachtragsangebot der Firma Hochtief findet sich  folgender Hinweis zum Einbau der Tresortüre während der Rohbauphase: "Hilfeleistung beim Baustellentransport und beim Einbau einer Tresortür im Untergeschoß einschließl. Einschalen und Ausbetonieren des umlaufenden Spaltes zwischen Tür und Leibung. Pauschal 625,60 DM."

Beim Innenausbau stellte die Installation der Klima-, Lüftungs- und Sanitärtechnik mit 856.000 DM den größten Einzelauftrag dar.

Die Innenausbauphase der Bunkeranlage in Satzvey erreicht nach knapp zwei Jahren im Winter 1969 ihre Endphase. Mit 856.000 DM stellte die Installation der für Schutzbauten stets aufwendigen Klima-, Lüftungs- und Sanitärtechnik den größten Einzelauftrag der Innenausbauten dar. Diese Arbeiten wurden von einer Firma des bereits maßgeblich an der Planung des Bunkers beteiligten Dipl. Ing. Wilhelm Potthast ausgeführt. Das Ing.-Büro Potthast zeichnete sich bereits bei der Planung des verbunkerten Ausweichsitzes der Landeszentralbank in Rheinland-Pfalz als verantwortliches Unternehmen aus.

Obwohl noch bis in die Anfänge der 70er Jahre einige kleinere Ausbauten und Nachbesserungsarbeiten ausgeführt wurden, meldete die Bauabteilung der Landeszentralbank der Verwaltungsabteilung im November 1969 die Funktions- und Bezugsfähigkeit des Ausweichsitzes und übergabt damit die Zuständigkeit. Selbst in einem verwaltungsinternen Aktenvermerk des Hauses blieb die Verschleierung der tatsächlichen Örtlichkeit des Sonderbauwerkes aufrecht erhalten.

So trafen sich beide Abteilungen der Landeszentralbank am 14. November 1969 zu einer Baustellenabnahme und Zuständigkeitsübergabe, an einem Ort den es in der Eifel nicht gibt: "Verhandelt zu Steinfurt am 14. November 1969.Zur Übergabe und Übernahme des Sonderbauvorhabens der Landeszentralbank in Nordrhein-Westfalen traten die Unterzeichner heute an Ort und Stelle zusammen. Das Gebäude sowie die vorhandenen Ausstattungs- und Gebrauchsgegenstände wurden in allen Teilen eingehend besichtigt. Dabei wurde festgestellt, dass das Gebäude nach den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt wurde und die gesamte Ausführung den vom Vorstand genehmigten Vorlagen entspricht. Bei der Begehung festgestellte und noch zu behebende Mängel wurden in der beiliegenden Aufstellung festgehalten. Alsdann wurde das Gebäude von der Bauabteilung an die Verwaltungsabteilung übergeben."

Halbe Milliarde Teebeutel gleich ein Ausweichsitz. Der Ausweichsitz der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalen macht mit Baukosten von 5 Mio. DM – rein rechnerisch – einen halben Ausweichsitz der Landesregierung (in Urft; 10 Mio. DM) – und eine halbe Milliarde „Teeflott Aufgussbeutel“ (1 Pfennig pro Beutel). Doch selbst an Pfennigbeträge wurde bei der Einrichtung des Bunkers gedacht, die noch immer vor Ort sind.

Die Gesamtkosten der Baumaßnahme „Mittelpunktschule Satzvey, Los II, Schutzbau“ lassen sich nach Fertigstellung und einer Bauzeit von 3 Jahren auf über 5 Millionen DM beziffern.

Rundgang durch ein Bauwerk der besonderen Art

Das zweigeschossige Bunkerbauwerk wurde in bewehrtem Stahlbeton ausgeführt und hat die exakten Außenmaße von 32,4  Meter (Länge) mal 30,4 Meter (Breite) mal 8,6 Meter (Höhe). Die Bodenplatte hat eine Stärke von 0,37 Metern, die Deckenstärke liegt bei 1 Meter plus Überdeckung. Die Außenwände sind zwischen 0,8 und einem Meter stark.

Insgesamt befinden sich in dem Bauwerk 75 Räume, wovon die Räume des ersten Untergeschosses hauptsächlich für Schlafzwecke und Versorgungstechnik vorgesehen waren. Der Ausweichsitz verfügte über insgesamt 109 Betten, wovon der überwiegende Teil in Sammelschlafräumen mit 9-16 Betten untergebracht war. Die Räume 201 und 202 stellen eine Ausnahme dar. Bei einer Besichtigung des Bauwerkes wurden hier lediglich Einzelbetten vorgefunden, die laut Zeitzeugenaussagen für den Präsidenten sowie ein Mitglied des Vorstandes vorgesehen waren.

Küche im Bunker-Untergeschoss: 1971 lagerte hier fast eine halbe Tonne Brot, die 1969 angeliefert wurde.

Neben sanitären Anlagen befanden sich im ersten Untergeschoss eine Küche sowie Vorrats- und Kühlräume, in denen ständig Lebensmittel eingelagert waren. Die Lebensmittelvorräte wurden regelmäßig vom Landesinnenministerium auf Haltbarkeit und Geschmacksveränderungen überprüft und sofern notwendig an die umliegende Landwirtschaft abgestoßen. In einem Schriftwechsel aus dem Jahre 1971, in dem der Ausweichsitz diesmal als "Depot Düsseldorf" umschrieben wird, findet sich zu diesen Vorgängen folgender Aktenvermerk: "Betreff: Verpflegungsreserve im Depot Düsseldorf. Von der im Jahre 1969 beschafften Brotreserve – Roggenmischbrot – lagern noch 421,5 kg im Verpflegungsmagazin des Depots. Die Brote sind ausgetrocknet und nicht mehr genießbar. Das Brot kann deshalb nur noch an eine in der Nähe liegende Schweinemästerei kostenlos abgegeben werden."

Die Küche und der Speiseraum befanden sich in den Räumen 234 und 236. Bei der Ausstattung mit Kücheneinrichtungsgegenständen orientierte man sich maßgeblich an dem im benachbarten Ort Urft bereits 1963 fertig gestellten Ausweichsitz der Landesregierung. Auch bei der Ausstattung der Küche wurde durch die Planer des Bunkers in Satzvey von der Auswahl der Schneebesen der Marke "Rührfix" bis zum Dosenöffner Modell "Sieger" nichts dem Zufall überlassen. In einer Aktennotiz des 31. Juli 1969 heißt es hierzu:

"Das Innenministerium hat in seiner B-Stelle [gemeint ist hier der Ausweichsitz der Landesregierung in Urft mit etwa 150 Schutzplätzen; B-Stelle heißt Befehlsstelle] eine elektrische Dosenöffnermaschine im Einsatz. Im Hinblick darauf, dass von uns nur etwa 100 Personen zu verpflegen sind, halten wir nach Erkundigungen im Fachhandel eine mechanische Büchsenöffnermaschine für vollauf ausreichend."

Wäscherei (im Raum 235): Sogar an einen Trockenschrank für die Anzüge (im Bildhintergrund) wurde gedacht.

Ein Kuriosum für eine Bunkeranlage dieser Größenordnung befand sich in den Räumen 235 und 237. Bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Einsatz von Kernwaffen wäre es aufgrund der radioaktiven Strahlung notwendig gewesen, unter Umständen mehrere Wochen im Bauwerk zu verbleiben. Da nicht davon ausgegangen werden konnte, dass jeder Schutzsuchende eine Garderobe von mehreren Wochen bereitgehalten hätte, man aber der Belegschaft eine händische Wäsche ersparen wollte, gönnte man sich den Luxus einer automatisierten Waschküche. Die Räume enthielten für diese Zwecke zwei Waschautomaten der Firma Miele, sowie einen Trockenautomaten, der noch heute dort zu finden ist. Die Vorsorgeplanungen gingen jedoch noch weiter. Neben der Möglichkeit einer automatisierten Wäsche hatte man zusätzlich noch Ersatzkleidung für den Führungsstab der Landeszentralbank eingelagert. Anfängliche Überlegungen, hierfür einfache Trainingsanzüge zu beschaffen, trafen bei den Planern und der potentiellen Bunkerbesatzung der Hauptverwaltung in der Modestadt Düsseldorf auf wenig Gegenliebe. „Vorgewarnt“ durch die Belegschaft des bereits 1963 errichteten und ebenfalls verbunkerten Ausweichsitzes der Landeszentralbank Rheinland-Pfalz im Hunsrück, die sich über ihre unstandesgemäße Notbekleidung beklagten, konnte die Wahl von Trainingsanzügen für den Ausweichsitz der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalens zugunsten konventioneller Bekleidung abgewendet werden. Zu diesem Vorgang findet sich in einer Akte vom 31.07.69 folgender Vermerk:

"Betreff: Notunterkunft Steinfurt; hier: Persönliche Bekleidung. In Krisenzeiten kann nicht ausgeschlossen werden, dass die für die Notunterkunft Steinfurt vorgesehenen Bediensteten vom Arbeitsplatz weg in Marsch gesetzt werden müssen und demnach keine Gelegenheit haben, sich mit den notwendigsten Kleidungsstücken zum Wechseln zu versorgen.

Für diesen Fall sollte eine zweckentsprechende Bekleidung einschließlich Unterzeug und Nachtwäsche in der Notunterkunft eingelagert werden. (…)

Insgesamt wären für diese Zwecke bei etwa 95 männlichen und 8 weiblichen Personen rd. 5000 DM zu verausgaben. Von anderen Stellen haben wir gehört, dass die für eine Belegung vorgesehenen Bediensteten mit Trainingsanzügen ausgestattet worden sind. Die damit gemachten Erfahrungen sollen wenig zufrieden stellend gewesen sein."

Das Herzstück der Bunkeranlage: Die Versorgungstechnik für den Ernstfall.

Wesentlich bedeutsamere Einrichtungen befinden sich neben der Waschküche in den Räumen 217-222. Hier befanden sich neben dem Herzstück der Bunkeranlage, den beiden Notdieselaggregaten für den Ausfall der Energieversorgung des Stadtnetzes auch Treibstoffvorräte, Lüftungs- und Klimaanlagen sowie Sand- und Raumfilter zur Reinigung atomar, biologisch und chemisch verunreinigter Außenluft.

Als "Gehirn" des Bunkerbauwerkes diente die in Raum 239A installierte Schaltzentrale zur Überwachung und Steuerung der wichtigsten technischen Einrichtungen. Hierfür standen dem technischen Personal ein Bedien- und Steuerungspult sowie mehrere Schaltschränke zur Verfügung.

Bunkerzugang, der hydraulisch aus dem Inneren angesteuert werden konnte.
Bunkerzugang, der hydraulisch aus dem Inneren angesteuert werden konnte.

Das Bauwerk wurde in der oberen Etage über insgesamt zwei Schleusenzugänge erschlossen. Der Hauptzugang ist über einen überbauten Treppenabgang inklusive Abstellkammer auf dem Schulhof erreichbar. Von hieraus konnten auch größere Gegenstände über einen kleinen Elektrokran in die Tiefe, vor die Schleuseneingänge verbracht werden. Ein zweiter, kleinerer Schleusenzugang ist über einen kurzen Verbindungstunnel mit dem Schulkeller verbunden. Die Schleusendrucktüren sollten verhindern, dass Druckwellen, Splitter und Trümmer, radioaktive Strahlung, Hitze oder bio-chemische Kampfstoffe in das Bauwerk gelangen konnten.

Wartungsheft der Bochumer Eisenhütte (die auch die Zugänge zum Regierungsbunker entwarf): „Die Tür ist so konstruiert, dass sie 1. Druckwellen von 10 atü und Sogwellen von 1 atü standhält“.

In einem Wartungsheft der Herstellerfirma Bochumer Eisenhütte Heintzmann finden sich folgende Angaben über die Anforderungen an die Schleusendrucktüre DT 1200: "Die Tür ist so konstruiert, dass sie 1. Druckwellen von 10 atü und Sogwellen von 1 atü standhält; 2. absolut gasdicht ist; 3. im geschlossenen Zustand ein Heraussaugen von Raumluft verhindert; 4. im geschlossenen Zustand eine Verschiebung des Türblattes gegenüber dem Türrahmen bei einer Beschleunigung von 3 g verhindert; 5. das Schließen und Öffnen vollautomatisch erfolgt; 6. die Bewegungsabläufe hydraulisch eingeleitet werden; 7.  die Steuerungen elektrisch überwacht werden; 8. der komplette Schließ- bzw. Öffnungsvorgang in einer Zeit von 10 Sec. abläuft; 9. Handnotfunktionen vorsehen; 10. die Druckkräfte unter einem bestimmten Winkel in Beton überleiten und die Gummidichtung durch umlaufende Dichtleisten geschützt ist".

Kleiderabwurfkammer (rechts) und Dusche für das Einschleusen von verstrahlten Personen.

Die Hauptschleuse verfügte in den Räumen 208-213 zusätzlich über die Möglichkeit eines Einschleusens von Personen nach einer bereits erfolgten radioaktiven Dekontamination. Hierfür standen eine Kleiderabwurfkammer für verstrahlte Kleidung sowie eine Dekontaminationsbrause zur Verfügung. Für eine weitere Messung möglicher Strahlenrückstände war der Sanitätsbereich der Bunkeranlage unmittelbar mit den Dekontaminationsräumen verbunden.

Über ein Treppenhaus in der Nähe der „Präsidenten- und Vorstandsschlafräume“ war eine Verbindung in das zweite Untergeschoss des Ausweichsitzes möglich. Im zweiten Untergeschoss befanden sich überwiegend Büro- und Konferenzräume sowie die Fernmeldetechnik und die Wasseraufbereitungsanlagen samt Notbrunnen.

Notausstieg in der Nähe der „Präsidenten- und Vorstandsschlafräume“.

In Raum 112 befindet sich die Wertkammer, die heute leider jeden Einblick in ihr Inneres durch ihre mächtige Tresortüre verwehrt.

Über die durch die Firma Pohlschröder selbst verbaute Tresortüre lässt sich heute nur noch anhand von Hinweisen des Herstellers rekonstruieren, dass sie vermutlich ein Gewicht von 10-12t hat und der damalige Preis bei etwa 180.000 - 200.000 DM gelegen haben dürfte. Aufgrund zurückgelassener Bauunterlagen ließen sich zusätzlich noch folgende Daten ermitteln:
Abmessungen: 1,20m x 2,05m; Türlaibung: 0,74m; Türblattstärke: 0,27m.

Eine Vorstellung wie es hinter der Tresortüre ausgesehen haben könnte liefert jedoch eine Skizze, die im Historischen Archiv der Bundesbank ermittelt werden konnte. Die demnach sechs mal 5,3 Meter große und 2,7 Meter hohe Wertkammer war mit sechs verschließbaren und vier offenen Regalen sowie einem Arbeitstisch ausgestattet. Die einzelnen Regalböden waren für ein Gewicht von bis zu 300kg ausgelegt.

Ehemalige Übungsteilnehmer berichteten, dass die Tresorkammer zu keiner Zeit mit Geld- oder sonstigen Wertbeständen befüllt war. Diese sollten vielmehr erst im Verteidigungsfall aus den Tresoren der Hauptverwaltung an der Berliner Allee 14 in Düsseldorf in den Ausweichsitz nach Satzvey verbracht werden.

Für diese Aussage spricht auch ein Aktenvermerk der Organisations- und Revisionsabteilung der Landeszentralbank vom 16. Juni 1971: "Die Ausstattung der Wertkammer war seinerzeit – da nicht vordringlich – zurückgestellt worden. Nunmehr sollte auch dieser Raum zweckentsprechend eingerichtet werden, damit die im V-Fall (Verteidigungsfall) hier unterzubringenden Geld- und Sonderbestände jederzeit, ordnungsgemäß und übersichtlich aufbewahrt werden können. (…) Außerdem sollte für den Transport von Geld ein Plattenwagen mit zwei Stirnwänden (…Tragkraft 300kg) beschafft und in der Wertkammer bereitgestellt werden."

Rätselhafte Kammer – nicht nur, weil sie heute verschlossen ist, sondern weil niemand mehr sagen kann, wofür sie eigentlich gebaut wurde.

Ob in der Tresorkammer tatsächlich auch Bestände einer Ersatzwährung eingelagert werden sollten konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden, ist aber anzunehmen. Eine Vorhaltung von  Bundeskassenscheinen oder BBk II-Noten für größere Landesteile oder gar ganz Nordrhein-Westfalen kann aber aufgrund der zu geringen Größe der Tresorkammer ausgeschlossen werden.

Unmittelbar neben der Tresoranlage, in den Räumen 110 und 111 befand sich die Wasserversorgungstechnik. Der Tiefbrunnen hätte in einem Belegungsfall eine vom Stadtnetz unabhängige Trink- und Brauchwasserversorgung für einen längeren Zeitraum gewährleistet. Über eine Bohrtiefe von 90m hätte auch bei einer radioaktiven Kontaminierung der Umwelt noch nutzbares Wasser gefördert werden können. Der Brunnenkopf wurde im Zuge der Stilllegung der Bunkeranlage, Mitte der 90er Jahre, mit Beton verfüllt.

Gegenüber den Wasseraufbereitungsanlagen, in den Räumen 131-134, befand sich die Fernmeldezentrale des Ausweichsitzes. Neben Fernschreibern der Marke Lorenz war hier eine Fernsprechnebenstellenanlage der Firma TN – Telefonbau und Normalzeit – Lehner & Co. im Gesamtwert von 221.000 DM installiert. Hierüber war es möglich die Anschlüsse von insgesamt 100 Teilnehmern zu bedienen, wovon allerdings lediglich 70 Anschlüsse im Bunkerbauwerk selbst geschaltet waren. Den Ausschreibungsunterlagen für die Fernmeldetechnik ist zu entnehmen, dass weitere 30 Anschlüsse für das ungeschützte Schulbauwerk vorgesehen waren. Demnach war nicht nur der Bunker selbst, sondern auch das darüber liegende Schulgebäude Bestandteil der Ausweichsitzplanungen der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalens. In einem Aktenvermerk des 04. August 1967 heißt es hierzu: "In Schulräumen, die während Spannungszeiten als Arbeitsräume in Frage kommen, können allenfalls 30 Sprechstellen eingerichtet werden. (…) Anschlussmöglichkeiten sollten in folgenden Räumen vorgesehen werden: Untergeschoß: Mehrzweckraum Jungen, Werkraum, Mehrzweckraum, Mädchen. Erdgeschoß: Lehrerzimmer, Schulleiter, Pausengang, Arztraum, Elternsprechraum. Filmvorführungen, Hausmeister. Obergeschoß: Klasse 1, Klasse 2, Gruppenraum, Klasse 3, Physikraum". Beide Geschossebenen waren neben der eigentlichen Verbindungstreppe zusätzlich über einen Notausstiegschacht verbunden, der auf den Schulhof führte. Der Ausstiegsdeckel auf dem Pausenhof ist heute nicht mehr erkennbar, da er überbetoniert wurde.

Zwischen Bunkeralltag und Belegungsübungen

Oben die Noten 1 bis 5, unten auch. Alle zwei Jahre probten die Ausweichstellen von Bund und Land den 3. Weltkrieg – und bekamen dafür nach Übungsende auch Zensuren.

Nach seiner Fertigstellung am 14. November 1969 und dem Abschluss einiger Reparatur- und Nachbesserungsarbeiten bis Anfang der siebziger Jahre dürfte es in und um den Bunker, abgesehen von tobenden Schulkindern in den morgendlichen Pausen, relativ ruhig gewesen sein.

Mindestens alle zwei Jahre jedoch, wurde im Ausweichsitz der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalens der Ernstfall geprobt. Es war die Zeit, in der Natostreitkräfte, Bundesregierung, Landes- und Bezirksregierungen, Stadt- und Kreisverwaltungen sowie sonstige Sicherstellungsbehörden in ihre vorbereiteten Befehlsstellen abtauchten und das scheinbar Unabwendbare probten. Diese Stabsrahmenübungen sind heute noch unter den Bezeichnungen FALLEX, WINTEX und CIMEX bekannt.

Übungsteilnehmer der Landeszentralbank NRW berichteten, dass solche Übungen mit bis zu 80 Personen bis zu einer Woche dauerten und zeitgleich zum normalen Schulbetrieb abgehalten wurden. Trotz der Anweisung an die Übungsteilnehmer zu einem unauffälligen Verhalten, blieben diese Übungen sowohl durch die Schüler, als auch durch die Anwohner in Satzvey nicht völlig unbemerkt. So kam es mit der Zeit, dass die Übungsteilnehmer im Ort mit den Worten „Ach, seid Ihr wieder da?“ begrüßt wurden und dass das Betreten und Verlassen des Bunkerbauwerkes während der Übungen aufgrund neugieriger Schüler den Unterrichtsstunden und pausenfreien Zeiten angepasst werden musste.

Abgang im Schulkeller: Eingang zur geheimen Unterwelt der Banker aus Düsseldorf, die hier alle zwei Jahre zu NATO-Übungen im Bunker verschwanden.

Nach Fertigstellung des Bunkerbauwerkes kam es zusätzlich zu den periodischen Stabsrahmenübungen zu mindestens zwei Probebelegungsübungen, in denen die Funktionalität der Bauwerkstechnik sowie das Wohlbefinden der Übungsteilnehmer überprüft werden sollte.

Die erste Probebelegungsübung fand unmittelbar nach der Bauwerksfertigstellung mit insgesamt 34 Personen über einen Zeitraum von viereinhalb Tagen vom 24. bis 28. November 1969 statt. In Vorbereitung hierauf wurde von der Verwaltungsabteilung der Landeszentralbank in Zusammenarbeit mit den Planern der benachbarten Befehlsstelle der Landesregierung in Urft ein detaillierter Verpflegungsplan erarbeitet. Sämtliche notwendigen Lebensmittel waren bis auf den Gramm genau in Listen festgehalten und sollten für die Belegungsübung aus den Beständen des Ausweichsitzes der Landesregierung entnommen werden.

Suppe aus dem Regierungsbunker (in Urft; im Bild der Zugang mit der Schiene für den Lastenschrägaufzug rechts): Hier waren ständig sechs Tonnen Nahrung eingelagert, auf die man 1969 übungshalber auch im Bunker Satzvey zurückgreifen wollte.

Ein Aktenvermerk vom 7. Oktober 1969 hält hierzu fest: "Wir werden Oberregierungsrat K. vom Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen bitten, uns die benötigten Lebensmittel zusagegemäß auf jederzeitigen Abruf aus den Beständen der B-Stelle der Landesregierung zur Verfügung zu stellen."

Bei aller Ordnung und Disziplin, die man den Übungsteilnehmern sicherlich nicht absprechen konnte, überließ die Verwaltungsabteilung auch hier nichts dem Zufall. So plante sie zusätzlich zu den rechnerisch notwendigen Lebensmittelmengen offensichtlich auch noch den Fall unkontrollierbarer „Hungerattacken“ der Belegungsmannschaft mit ein. In einer für die Probebelegungsübung angefertigten Lebensmittelliste findet sich in der Überschrift dazu folgender Hinweis: "Zusammenstellung der für 5 Tage / 34 Personen benötigten Lebensmittel einschließl. einer Manipulationsreserve von 20%". Die in der Verpflegungsliste aufgestellten Köstlichkeiten seien hier nur kurz und unvollständig dargestellt: "Weissbrot 27 kg; Mischbrot 27 kg; Tee 2,625 kg; Heringsfilet in Öl 5,280 kg; Spargel 2,4 kg; Ananas 24,48 kg; Bratklops und Tunke 16,5 kg".

Auf der Anschaffungsliste der Landeszentralbank standen nicht nur die Lorenz-Fernschreiber, sondern auch Unterhaltungsspiele und 30 Bücher der leichten und gehobenen Literatur für die Freizeit. Der Fernschreiber stehen noch immer im Bunker.

Bei den ersten beiden Probebelegungsübungen war noch kein Schichtdienst rund um die Uhr vorgesehen, weshalb man für die Freizeit der Übungsteilnehmer in den Abendstunden nach passenden Beschäftigungsmöglichkeiten suchte und diese auch fand. In einer Anschaffungsliste vom 19. September 1969 sind für den Aufenthaltsraum: "a) eine Reihe von Unterhaltungsspielen (verschiedene Brettspiele und Kartenspiele), Preis ca. DM 200.-; b) Unterhaltungsliteratur in Taschenbuchformat (ca. 30 Kriminalromane und 30 Bücher der leichten und gehobenen Literatur), Preis ca. DM 250.-" vorgesehen. Die 34 Teilnehmer der ersten Probebelegungsübung setzten sich aus 27 bankangehörigen und sieben bankfremden Teilnehmern zusammen. Zu den Bankangehörigen gehörten zehn Teilnehmer aus dem Führungs- und Arbeitsstab der Landeszentralbank, 14 Teilnehmer der Bau- und Verwaltungsabteilung sowie drei Kraftfahrer, wovon  einer als Kurier zur Hauptverwaltung und zwei zusätzlich für den Küchendienst eingesetzt wurden. Zu den sieben bankfremden Teilnehmern gehörten vor allem Techniker der Herstellerfirmen, welche die technischen Anlagen im Bauwerk installiert hatten.

Für die Überwachung der Übung wurde Dipl.-Ing. Wilhelm Potthast, der maßgeblich an der Planung des Bauwerkes beteiligt war und einen Großteil der klimatechnischen Anlagen konstruiert hatte, eingesetzt. Seine Erfahrungen die er bereits bei einem 6-tägigen Belegungsversuch eines wiederhergerichteten Hochbunkers (Sonnenbunker) im Juni 1964 in Dortmund sammeln konnte, dürften für den Belegungsversuch in Satzvey eine große Hilfe gewesen sein.

Die erste Probebelegung des Ausweichsitzes der Landeszentralbank begann am 24. November 1969 pünktlich um 16 Uhr. Nach einer kurzen Führung durch das Bauwerk wurden den Teilnehmern Bettwäsche, Decken und Handtücher ausgeteilt sowie die Betten und Garderobenschränke zugewiesen. Auszug aus einer Akte: "Für das allgemeine Tagesprogramm war  folgender Zeitplan vorgesehen: 7 Uhr  Aufstehen; 7.30 – 8.30 Uhr  Frühstück; 8.30 – 12.30 Uhr Arbeitszeit zur Erledigung von Dienstgeschäften, Besprechungen usw.; gegen 10.30 Uhr Eintreffen des Kuriers der Hauptverwaltung, Verteilen der mitgebrachten Akten und der sonstigen Post; 12.30 – 13.30 Uhr Mittagessen; 13.30 – 18 Uhr Arbeitszeit (wie oben); gegen   14.15 Uhr Abfahrt des Kuriers zur Hauptverwaltung, Mitnahme des bis dahin angefallenen für die Hauptverwaltung bestimmten Schriftgutes; 18.30 Uhr Abendessen.

Für den technischen Dienst galt folgende Arbeitszeitregelung: Schaltwarte (Überwachungszentrale für alle technischen Anlagen): Tag- und Nachtdienst, aufgeteilt auf 3 Arbeitsgruppen – jeweils 2 Techniker / Haushandwerker in sechsstündigem Schichtwechsel; Fernsprechvermittlung: Bedienung von 8 Uhr - 24 Uhr durch technische Angestellte der Bauabteilung (2x8   Stunden), dann Umschaltung auf die Schaltwarte Für die Zeit nach dem Abendessen standen den Teilnehmern zur Unterhaltung Spiele, Bücher sowie Fernseh- und Rundfunkgeräte zur Verfügung. Aus eingelagerten Beständen konnten Tabakwaren sowie Bier und andere alkoholische Getränke gekauft werden."

Abgeschottet. Ansteuerung der Schleusentore im Innenteil des Bunkers (mit Not-Auf-Funktion). Während der Übungen blieben die Tore zu. Nur für das Ein- und Ausschleusen des Kuriers zur Düsseldorfer Zentrale wurde geöffnet.

Die Schleusentore blieben während der gesamten Dauer der Probebelegung verschlossen und wurden lediglich für das Ein- und Ausschleusen des Kuriers geöffnet. Vom 25.11., 8.00 Uhr bis zum 26.11., 17:00 Uhr wurde für 33 Stunden eine völlige Einschließung durchgeführt. Zur Simulierung des Ernstfalles wurde zusätzlich die Energieversorgung des Stadtnetzes auf die Netzersatzanlage (die Schiffsdiesel) umgestellt. Gleichzeitig wurde eine Kontaminierung der Außenluft simuliert und dafür die gesamte lufttechnische Versorgung der Bunkeranlage unter Schutzluft gefahren.

Am Mittag des 28. November 1969 endete die erste Probebelegung der neu errichteten Befehlsstelle der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalens. Zur Erfassung und Auswertung der Übungsergebnisse wurden von den Teilnehmern Fragebögen ausgefüllt. Der medizinische Fragebogen ergab, dass der überwiegende Teil der Belegschaft über keine Beschwerden klagte. Nur einige wenige Teilnehmer klagten über Bewegungsmangel, fehlendes Tageslicht, zeitweiliges Augenflimmern, leichte Kopfschmerzen, Völlegefühl und Blähungen.

Das Ergebnis dieses ersten Probebelegungsversuches ergab, dass sowohl Mensch als auch Maschine weitestgehend wie gewünscht funktionierten. Sowohl Planer als auch Übungsteilnehmer waren mit dem Testergebnis zufrieden.

Brunnenstube mit dem inzwischen zubetonierten Brunnenkopf (rechts): Bei der Bunkererprobung 1969 wurden stündlich 12 Kubikmeter (12.000 Liter) Wasser gefördert, was dazu führte, dass der private Tiefbrunnen eines Nachbarn komplett versiegte.

Weniger zufrieden hingegen dürfte der Besitzer eines etwa 300 Meter entfernt vom Bunker liegenden Privatbrunnens gewesen sein. Während des Belegungsversuches wurden über die Kompressoren der Tiefbrunnenanlage des Ausweichsitzes stündlich etwa 12 Kubikmeter Wasser gefördert, was dazu führte, dass der private Tiefbrunnen eines Ortsbewohners komplett versiegte. Ein kurioser Vorfall, der sich so in ganz ähnlicher Weise, knapp sechs Jahre zuvor auch auf der Baustelle des Ausweichsitzes der Bundesregierung in den Weinbergen der Ahr ereignete. Ob es sich bei dem Brunnenbesitzer aus Satzvey bezüglich etwaiger Schadensersatzforderungen ebenfalls um einen so hartnäckigen Zeitgenossen wie seinerzeit bei der Brunnenbesitzerin „Witwe Stratemann" aus Böling bei Ahrweiler handelte, ist durch die Akten nicht überliefert.

Gutes Bunker-Klima 1969: „Unter den Teilnehmern herrschte allgemeine Zufriedenheit, die Stimmung war während der gesamten Zeit gut bis sehr gut.“ Heute dominiert Schimmelbefall die Unterwelt, in der nur selten jemand vorbeischaut.

Ungeachtet dessen, stellen die Planer der neu errichteten Befehlsstelle in Satzvey ein gutes Zeugnis aus. In den Akten heißt es: "Die Unterbringung ist – für Schutzraumverhältnisse gut. Unter den Teilnehmern herrschte allgemeine Zufriedenheit, die Stimmung war während der gesamten Zeit gut bis sehr gut. In welchem Maße eine Vollbelegung – ganz abgesehen vom Ernstfall – die seelische und körperliche Verfassung drückt, lässt sich nach den Erfahrungen bei diesem ersten Belegungsversuch nicht beurteilen. Die materiellen Vorraussetzungen zum Leben und Arbeiten in der B-Stelle im Notstandsfall sind jedenfalls vorhanden. (…) Es wird vorgeschlagen in 1 – 1 1/2 Jahren einen zweiten Belegungsversuch durchzuführen, zu dem dann möglichst auch weibliches Personal hinzugezogen werden soll."

Bei der zweiten Belegungsübung 1971 rückten erstmals Frauen im Bunker ein und wurde das Zusammenleben für den V-Fall geprobt (im Bild eine Mitarbeiterin der Dokumentationsstätte Regierungsbunker im Herbst 2009 bei ihrem Weg durch die Anlage Satzvey).

Dies geschah dann auch mit einer zweiten Belegungsübung vom 24. bis 26. Mai 1971. Ziel der Übung es war diesmal weniger die Technik des Bauwerkes zu prüfen, als unter einer erhöhten Teilnehmerzahl beiderlei Geschlechtes, die seelischen und körperlichen Belastungen der Teilnehmer zu prüfen und zusätzlich die Mitarbeiter des Führungsstabes der Düsseldorfer Hauptverwaltung mit ihrem neuen Ausweichsitz vertraut zu machen. In den Akten findet sich hierzu folgender Hinweis: "Da zum Führungs- und Arbeitsstab auch weibliches Personal (Stenotypistinnen) zählt, wurden zu dieser Übung erstmals Damen hinzugezogen. Im Übrigen haben an der Übung Vertreter fast aller Abteilungen der Hauptverwaltung mitgewirkt, die im V-Fall für eine Verlegung in die B-Stelle vorgesehen sind. (…) Die Belegungsübung dient dazu, den für die B-Stelle vorgesehenen Personenkreis mit den durch eine Verlegung im V-Fall eintretenden Änderungen in der Wahrnehmung und Abwicklung der Dienstgeschäfte vertraut zu machen und diese Form der für die zivile Verteidigung erforderlichen Einsatzbereitschaft zu erhalten."

Insgesamt nahmen an der zweiten Probebelegungsübung 48 Personen teil. Zu den Teilnehmern gehörten diesmal auch ein Mitglied des Vorstandes sowie drei Hauptreferatsleiter. Die gesamte Übung wurde wieder durch Dipl. Ing. Wilhelm Potthast technisch überwacht. Der Tagesablauf und die Aufgabenzuweisungen unterschieden sich von der vorhergehenden Belegungsübung nicht. Gegen Mittag des 26.05.1971 endete die Belegungsübung.

Die Beurteilung durch die Übungsteilnehmer ergab, wie bereits bei der ersten Übung dass das Bauwerk seinen Funktionen gerecht wurde. Der Vorschlag einiger Übungsteilnehmer für längere Aufenthalte im Bunker Turn- und Sportgeräte wie beispielsweise Tischtennisplatten, Heimtrainer oder Expander aufzustellen, dürfte wahrscheinlich als nicht vordringlich beurteilt worden sein.

Fernmeldetechnik im Ausweichsitz Satzvey. In der Telefonvermittlung wurden vorzugsweise Frauen eingesetzt – wie auch als Stenotypistinnen. Das Bunker-Protokoll notiert dazu: „Die Teilnahme von 2 Damen an der Übung brachte keinerlei Probleme mit sich.“

Vermutlich als zeitgenössisch für die sechziger Jahre muss man wohl folgende Anmerkung aus den Akten der Übungsauswertung verstehen: "Die Teilnahme von 2 Damen an der Übung brachte keinerlei Probleme mit sich. Die Damen, die als Stenotypistinnen eingesetzt waren, wurden mit den etwas veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen im Bunker ohne jede Schwierigkeit fertig. (…)  Sie griffen im Übrigen während und nach den Mahlzeiten unaufgefordert [!] tüchtig im Küchendienst ein und leisteten so willkommene Hilfe…"

Tarnen, verschleiern, verbergen. Die Geheimhaltungsmaßnahmen der Bunkerplaner

Neben den bereits in den Ausschreibungsunterlagen festgelegten Vertragsbedingungen, lediglich Führungspersonal auf der Bunkerbaustelle zuzulassen, welches zum Umgang mit Verschlusssachen ermächtigt war sowie dem strikten Fotografierverbot, gab es eine Reihe weiterer Maßnahmen, den Auftraggeber und Nutzer des Bunkers, den eigentlichen Zweck  sowie den genauen Standort des Bauwerkes zu verbergen.

Tarnen und verstecken. Um den Bunkerbau zu verbergen, griff die Landeszentralbank tief in die Trickkiste: So trat die Gemeinde Satzvey-Firmenich als Bauherr und Auftraggeber in Erscheinung, verwendete die Landeszentralbank die Bauwerksumschreibung „Sonderobjekt“ und als Ortsbezeichnung den Namen „Steinfurt“.

So trat die Gemeinde Satzvey Firmenich sowohl für das erste Baulos, den Schulneubau, als auch für das zweite Baulos, den Schutzraumbau als Bauherr und Auftraggeber in Erscheinung. Die Landeszentralbank, als eigentlicher Auftraggeber der Bunkeranlage, dürfte somit nur den wenigsten der am Bau beteiligten Bau- und Handwerksbetriebe bekannt gewesen sein. In Schriftwechseln zwischen der Gemeinde und Bauunternehmen ist in der Regel nur die Bezeichnung „Schutzraumbau, Mittelpunktschule Satzvey“ genannt. Die Landeszentralbank verwendete in hausinternen und -externen Schriftverkehren meist die Bauwerksumschreibung „Sonderobjekt“ und als Ortsbezeichnung den Namen "Steinfurt" als Synonym für den Ort Satzvey. In verschiedenen Unterlagen fanden sich zusätzlich noch Umschreibungen wie "Sonderbauwerk im Raume Köln", "Depot Düsseldorf" und "Sonderobjekt des Vorstandes im Raume Euskirchen".

Auch für die Zahlung regelmäßig anfallender Kosten, nach der Fertigstellung des Ausweichsitzes, galt es den wahren Leistungs- und Rechnungsempfänger zu verschleiern. So war der Rechnungsempfänger für die laufenden Kosten wie Fernsprech-, Fernschreibe-, Rundfunk-, Wasser-, Abwasser- und Stromgebühren stets die Gemeinde Satzvey-Firmenich. Diese hatte für Lastschrifteinzüge zum Schein ein Girokonto bei der Zweigstelle der Landeszentralbank in Euskirchen angelegt, welches durch die Hauptverwaltung der Landeszentralbank in Düsseldorf jederzeit mit ausreichend finanziellen Mitteln gedeckt wurde.

Für die Mitarbeiter des Führungsstabes und allen anderen am Bau oder Betrieb des Ausweichsitzes beteiligen Personen galt strikte Geheimhaltung ihrer Tätigkeit gegenüber Dritten. Dies galt auch gegenüber Familienangehörigen. Für den Bunker in Satzvey gab es einen Hausmeister, der bis zu zweimal wöchentlich dort Kontrollgänge und kleinere Wartungsarbeiten durchführte. Hauptberuflich war Herr H. Newzella bei der Landeszentralbank Außenstelle in Euskirchen als Bundesbankobersekretär angestellt. Seinem Arbeitgeber in Euskirchen und auch seinen Familienangehörigen gegenüber äußerte Herr Newzella bis zu seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben lediglich, er habe „Sonderaufgaben“ für die Landeszentralbank zu erledigen.

Was heute bleibt

Alles auf Null. Der Bunker Satzvey ist abgeschaltet. In der Steuerzentrale verraten die Zählerstände, dass beispielsweise der Brunnenkompressor ganze 318 Stunden lief, die Kältemaschinen 128 Stunden. Beide Anlagen waren Bestandteil einer millionenschweren Immobilie, die über 20 Jahre einsatzbereit gehalten wurde und lief genau 18 Tage.

Die Bunkeranlage, die glücklicherweise nie ihre eigentliche Funktion erfüllen musste, fand nach dem Ende des Kalten Krieges ein schnelles und ebenso unauffälliges Ende. Bekannt ist heute nur noch, dass bereits Anfang der 90er Jahre keine Übungen, geschweige denn Wartungsarbeiten mehr durchgeführt wurden. Der ehemalige Schulleiter der Hauptschule in Satzvey, mittlerweile als Direktor an einer Realschule in Zülpich tätig, kann sich noch an Rückbauarbeiten in der Bunkeranlage, etwa Mitte der 90er Jahre erinnern. Neben dem Ausbau größerer technischer Gerätschaften und der Verfüllung der Tiefbrunnenanlage fand das ein oder andere Möbelstück in der Nachbarschaft dankbare Abnehmer und leistet vielleicht noch heute in einem der Satzveyer Wohnhäuser treue Dienste. Nicht mehr gewartete Ventile und Rohrleitungen führten dazu, dass die Bunkeranlage mittlerweile teilweise knöcheltief unter Wasser steht. In den nachfolgenden Jahren wurde der Bunker hin und wieder Ziel heimlicher Schülerexpeditionen, was schließlich aus Sicherheitsgründen zu einem endgültigen Verschluss der Tresortüre und der gesamten Bunkeranlage führte.

Und so fristet der ehemalige Ausweichsitz der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalens, auch 40 Jahre nach seiner Fertigstellung ein überwiegend unauffälliges Dasein.

Autor C. Lubbe bedankt sich für die Unterstützung bei der Recherche bei den Herren Herget und Wannovius vom Historischen Archiv der Bundesbank, Frankfurt Main; Kajo Meyer für die Vermittlung und Unterstützung bei den Recherchen im Historischen Archiv der Bundesbank; den Zeitzeugen für die Weitergabe Ihrer Erfahrungen und Ihres Wissens.

Quellenangaben:
- eigene Recherchen
- diverse Zeitzeugeninterviews
- H. Kahnt; M. Pontzen; M. H. Schöne; K. Walz (2003): Die Geschichte der Deutschen Mark in Ost und West
- Hessisches Staatsarchiv; Sign. HStAD H1 Nr. 3211
- Historisches Archiv der Bundesbank; Sign. B 331-NRW/1860; Sign. BSG 3/100146
- Jörg Diester (2008): Geheimakte Regierungsbunker – Tagebuch eines Staatsgeheimnisses
- Jörg Diester (2009): Zeitzeugen und Zeitgeschichte: http://www.bunker-doku.de - Jörg Diester (2006); Wenn sich Banker einen Bunker bauen: http://ausweichsitz.de/content/view/46/39/ - Jörg Diester (2009); Geisterschiff des Kalten Krieges: http://ausweichsitz.de/content/view/121/39/ - Martin Reim (2004): Deutschlands geheime Währung - Die Schatten-Mark; In: Süddeutsche Zeitung; 15.11.2004 - Wolfgang Beßlich (1975): Zehn Jahre materielle Sicherstellungs-Gesetze – 1965-1975; In: Zivilverteidigung; Heft 4; 1975